Bewegung & Schwerkraft

Bewegung ist die älteste und wirksamste Medizin der Menschheitsgeschichte – und gleichzeitig jene, die am häufigsten ignoriert wird. Prof. Dr. Jörg Spitz beleuchtet in seinen Vorträgen und Büchern, warum körperliche Aktivität weit mehr ist als Sport: Sie ist ein biologisches Grundbedürfnis, das unser gesamtes Stoffwechselsystem reguliert.

Die Astronauten-Lektion zeigt exemplarisch, was Bewegungsmangel anrichtet. Astronauten, die Wochen in der Schwerelosigkeit verbringen, kehren mit dramatischen Muskel- und Knochenverlusten zurück – trotz täglicher Trainingseinheiten an Bord. Die Schwerkraft ist ein ständiger, lebensnotwendiger Trainingsreiz. Wer stundenlang sitzt, entzieht sich diesem Reiz – mit denselben biologischen Konsequenzen.

Die Muskulatur ist weit mehr als ein Bewegungsapparat. Sie ist das größte endokrine Organ des Körpers – eine Hormondrüse, die bei Aktivierung sogenannte Myokine ausschüttet. Diese Botenstoffe wirken entzündungshemmend, schützen das Gehirn (BDNF – „Dünger fürs Gehirn"), verbessern den Zuckerstoffwechsel und stärken das Immunsystem. Regelmäßige Bewegung ist damit buchstäblich Hormontherapie.

Besonders kraftvolles Ausdauertraining und Krafttraining werden von Prof. Dr. Spitz als zentrale Präventionsmaßnahmen empfohlen. Krafttraining erhält die Muskelmasse, die ab dem 30. Lebensjahr ohne gezieltes Training jährlich abnimmt (Sarkopenie). Ausdauertraining verbessert die kardiovaskuläre Fitness und senkt nachweislich das Risiko für Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Depressionen und bestimmte Krebsarten.

Prof. Dr. Spitz plädiert nicht für exzessiven Sport, sondern für eine Bewegungskultur im Alltag: Treppensteigen statt Aufzug, Gehen statt Fahren, regelmäßige Pausen vom Sitzen, und gezielte Krafteinheiten. Sein Credo: Der Körper braucht kein Fitnessstudio – er braucht Bewegung als integralen Bestandteil des Lebens.